Bei einer kürzlich durchgeführten Studie1, die am Fred Hutchinson Cancer Research Center in Seattle stattfand, wurde die Wirkung der Omega-3-Fettsäuren erneut nachgewiesen.

Der Lein (Linum usitatissimum) zählt zu den ersten Ackerfrüchten, die schon seit der Jungsteinzeit angebaut werden. Der Beginn des Ackerbaus vor 12.000 Jahren bildete die Grundlage der heutigen Zivilisation und des Bevölkerungswachstums. Ob alles, was in dieser Zivilisation geschah, gut für das Leben auf der Erde war und sein wird, steht auf einem ganz anderen Blatt. Die Leinpflanze ist jedoch nicht die Ursache der Dummheit bzw. der negativen lebenszerstörenden Entwicklung der Menschheit und auch nicht die Ursache von Zivilisationskrankheiten. Vielmehr könnte das Öl aus den kleinen nussartigen Früchten des Leins mancher Fehlentwicklung und mancher Krankheit entgegenwirken. Seit den Anfängen des Ackerbaus hat der Anbau von Getreide, vor allem von Weizen, die Leinsaat längst überholt. Von den seit der „Agrarrevolution“ der vierziger Jahre des vorigen Jahrhunderts mittels Züchtung optimierten Weizensorten hatte man mehr Ertrag – und mehr Gewinn – erhofft. Tatsächlich wurde die Ernährung in der »weiteren « Zivilisation (nach ihrem Start im Neolithikum) immer kohlenhydrathaltiger – und seit dem 19. Jahrhundert, mit der Industrialisierung und Raffinierung, immer zuckerhaltiger. Damit wurden viele Menschen in den Wohlstandsländern, intensiviert seit der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, immer dicker, vor allem in der Körpermitte. Parallel dazu entstand eine Flut von Zivilisationskrankheiten. Arteriosklerose, Depressionen, Diabetes mellitus, Infarkte, Krebsleiden, Demenzkrankheiten wurden häufiger.

Gewiss hat zur großen Zahl dieser Erkrankungen auch die zunehmende Lebenserwartung beigetragen. Ein wesentlicher Krankheitsfaktor ist zudem aber der zunehmende Anteil an Kohlenhydraten in der Nahrung, vor allem aus Weizengebäck und dazu noch Produkten, auch Getränken, die raffinierte Zucker (Saccharose, Glukose, Fruktose) enthalten. Dass Produkte mit raffiniertem Zucker nicht gut für die Gesundheit – und Dickmacher – sind, ist inzwischen allgemein bekannt. Wobei der süße Geschmack als Suchtfaktor wirkt, dem man in unserer Zivilisation leicht nachkommen kann. Gleichzeitig sorgt die übermäßige Insulinausschüttung nach Zufuhr von raffinierter Saccharose (Rohr- oder Rübenzucker) oder Traubenzucker mit resultierenden Hypoglykämien für weiteren Hunger nach Süßigkeiten – und Gewichtszunahme.

Gerade wegen dieses Hungers – und der Gewichtszunahme – wurde die Aufnahme kohlenhydrathaltiger Nahrung (von Kartoffeln, Getreiden, Nudeln etc.) statt Ölen und Fetten

bevorzugt: offiziell empfohlen, weil Kohlenhydrate pro Gewichtseinheit (ob Gramm, Pfund oder Kilogramm) weniger Kalorien liefern (kaum halb so viel wie Öle und Fette). Insofern schien diese Empfehlung in der Zivilisation und Überversorgung scheinbar genial: Esst weniger Öl und Fett, weil das doppelt so viele Kalorien enthält. Folglich wurden mehr Kohlenhydrate als Öl gegessen – und wegen der resultierenden Insulinausschüttung noch mehr Kohlenhydrate. Das Gegenteil wäre wohl besser für die Gesundheit gewesen: Viel weniger Kohlenhydrate, dafür ein wenig mehr Fett, d.h. konkret: Pflanzenöl. Damit bleibt die Insulinausschüttung flacher und niedriger. Heißhungerattacken treten kaum noch auf, Maßhalten fällt leichter. Daher nimmt das Körpergewicht tendenziell eher ab (in Richtung Idealgewicht) statt zu. All das kann ich aus der Erfahrung mit vielen Patienten (und eigener Erfahrung) bestätigen. Entscheidend ist jedoch, welche Pflanzenöle aufgenommen werden. Prinzipiell sollten mehrere Ölsorten nebeneinander angewendet werden (in unterschiedlichen Anteilen): Kokosöl, Kürbiskernöl, Leinöl, Olivenöl, Rapsöl, Walnussöl. Das wesentliche Unterscheidungskriterium der Pflanzenöle ist neben der Herkunft (aus zertifiziertem Bio-Anbau) und der Qualität (ob nativ, also schonend kalt gepresste, oder minderwertigere Öle) der spezifische Gehalt an Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren.

 

Prinzipiell mehrere Ölsorten nebeneinander anwenden

Beide Arten von ungesättigten Fettsäuren sind für den Menschen essenziell, weil sie in seinem Stoffwechsel nicht gebildet werden können. Daher reagiert der Organismus des Menschen auf ihre Zufuhr sehr unterschiedlich: abhängig von der Art (Omega-6 oder Omega-3) der Fettsäuren – von ihrer Konzentration im und Relation zum Körper. Omega-6-Fettsäuren kommen vor allem aus Sonnenblumenöl und mehr noch aus Distelöl (85% Linolsäureanteil), aber auch aus Getreiden und Nüssen (sowie aus tierischen Fetten). Linolsäure (Omega-6) regt die Zellteilung und Zellreparatur an. Aber sie regt auch – bei übermäßiger Zufuhr und Umwandlung in Arachidonsäure – Entzündungen an. Entzündungen dienen der Abwehr von äußeren Krankheitserregern (Bakterien und Viren), wobei sie nicht immer erfolgreich sind, oftmals den eigenen Organismus beschädigen.

Zudem beschleunigen Entzündungen das Altern des Organismus – und bösartiges Zellwachstum (die Ausbreitung von Krebs). Tatsächlich wird Leinöl aufgrund der Erkenntnisse von Frau Dr. Johanna Budwig sogar zur individuellen adjuvanten Therapie von Krebserkrankungen eingesetzt.

Dr. Johanna Budwig (* 30. September 1908 in Essen an der Ruhr; † Mai 2003 in Freudenstadt) war Apothekerin und Chemikerin, die durch ihre Öl-Eiweiß-Kost bekannt wurde. (www.budwig-stiftung.de) Sie war der Meinung, dass Krebs durch die Öl-Eiweiß-Kost heilbar sei. Die sogenannte Budwig-Diät basiert einerseits auf der Empfehlung, bestimmte Nahrungsmittel zu essen, andererseits auf dem Verbot bestimmter Nahrungsmittel. Zuerst war sie für Leberkranke hilfreich geworden.

Johanna Budwig, geboren 1908, war eine gut ausgebildete Naturwissenschaftlerin (Apothekerin und Diplom-Chemikerin mit Promotion in Physik). Sie kam, nachdem sie mit 12 Jahren ihre Eltern verloren hatte, in ein Waisenhaus. Anschließend wurde sie zur Krankenschwester ausgebildet und konnte in diesem wichtigen Beruf arbeiten. Parallel dazu studierte sie Pharmazie, Chemie und Physik, wonach sie zur Leitung der Klinikapotheke berufen und Expertin (Obergutachterin) in der Erforschung von Nahrungsfetten wurde. Als Einzelkämpferin begründete sie die nach ihr benannte Öl- Eiweiß-Diät für Zivilisationskranke, vor allem für Krebskranke aufgrund ihrer biochemischen und physikalischen Erkenntnisse. Vom damaligen medizinischen Establishment wurde sie jedoch nicht anerkannt. Daher konnten große und teure multizentrische Studien (die heute obligat sind) nicht durchführt werden. Frau Dr. Budwig blieb Einzelkämpferin. Die offizielle Medizin konnte weiter davon ausgehen, dass es keine heilsame Diät für Krebskranke (und andere Zivilisationskranke) gäbe. Frau Dr. Budwig arbeitete fortan als Heilpraktikerin und publizierte etliche erfolgreiche Behandlungsprotokolle und Dankschreiben von Patienten, die Heilung erfahren hatten. Diese subjektiven Erkrankungen und Erfolge können/dürfen aber nicht mit großen objektiven Studien konkurrieren. Frau Dr. Johanna Budwig blieb dennoch unbeirrt. Ihre Überzeugung war: »Menschen in Not merken und fühlen, wo Wahrheit ist.« Johanna Budwig lebte und arbeitete mit ihrer Diät, geistig und körperlich gesund, bis zu ihrem 94. Lebensjahr. Offensichtlich konnten zahlreiche Krebskranke mit dieser Diät Heilung finden. Das wird in erstaunlich anmutenden, aber wohl sehr ehrlichen – und dankbaren – Berichten dokumentiert. Seitdem sind die Erkenntnisse zum Leinöl weiter gewachsen. Kein anderes gebräuchliches Pflanzenöl (auch kein Fischöl) weist einen derart hohen Gehalt an Alpha-Linolensäure (um 65%) auf. Deshalb ist das Leinöl bestens geeignet, einen ungünstigen Omega-6-/Omega-3-Quotienten (s.o.) wieder in die gesundheitsfördernde Relation zu bringen. Wenn Sie alltäglich 1 bis 3 Esslöffel Leinöl (je nach Bedarf) zu sich nehmen, wird ein Teil der darin enthaltenen Alpha- Linolensäure allmählich (in Wochen und Monaten) in die Membranen Ihrer Körperzellen und Mitochondrien eingebaut, in allen Organen, auch im Gehirn und in den Nerven. Ein weiterer Teil der Alpha-Linolensäure wird in die entzündungshemmenden Eicosanoide Eicosapentaensäure und Docosahexaensäure umgewandelt. Diese langkettigen Omega-3-Fettsäuren sind wegen ihrer entzündungshemmenden Wirkung und ihres Vorkommens in Meeresalgen, Krillöl und Fischöl bekannt. Ihre Bildungsrate aus Alpha-Linolensäure des Leinöls wird auf 2 bis 5% geschätzt. Bisherige Studien lieferten unterschiedliche Ergebnisse. Gleichwohl wird die tägliche Zufuhr von 10 bis 30ml Leinöl wahrscheinlich mehr entzündungshemmendes Potenzial entstehen lassen als ein Teelöffel pro Tag oder eine Fischölkapsel. Zusätzlich bindet sich die Alpha-Linolensäure an Enzymsysteme, die anderenfalls aus Linolsäure die Arachidonsäure und daraus entzündungsvermehrende Serie- 2-Eicosanoide produzieren würden. Vereinfacht gesagt gilt: Leinöl wirkt mit seinem hohen Gehalt an Alpha- Linolensäure in vielfältiger Weise entzündungshemmend. Diese Wirkung ist rational biochemisch erklärbar. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts, seit der Industrialisierung und des Siegeszuges der modernen Medizin (die an Leinöl nicht besonders interessiert ist) nimmt die Zahl der Zivilisationskrankheiten, der Betroffenen zu. Zivilisationskrankheiten werden von der Menschheit selbst verursacht, nicht von der Natur, nicht von Bakterien und Viren. Bezeichnenderweise breiteten sich die Zivilisationskrankheiten aus, als das jahrtausendelang bewährte Leinöl von den meisten Menschen – und der Medizin – kaum noch geachtet wurde. Von der modernen Medizin werden die Zivilisationskrankheiten sehr effektiv behandelt und verlängert, aber nicht grundlegend geheilt. Gewiss ist das Leinöl nur ein Faktor, der unsere Gesundheit – auch in der Zivilisation – bewahren und sogar zur Überwindung von Zivilisationskrankheiten beitragen kann. Keineswegs möchte ich das Leinöl zum Wundermittel erklären, obwohl es oftmals erstaunlich gute Wirkungen erbringt. Am besten werden diese Wirkungen wohl im Zusammenwirken mit den bewährten natürlichen Mitteln des Basisprogramms für längere Gesundheit dienlich sein. Die Besonderheit des Leinöls ist die grundlegende entzündungshemmende Wirkung aufgrund des hohen Gehaltes an Alpha- Linolensäure, wozu noch das Wirken der Lignane (in kalt gepresstem, hochwertigem Öl) kommt. Diese Übersicht zeigt: Wenn wir chronische Entzündungen regulieren, kann das Entstehen etlicher schwerwiegender Erkrankungen reduziert werden. Auch zur Therapie vorbestehender Erkrankungen kann die Entzündungsreduktion sinnvoll sein. Das hochwertige, kalt gepresste, frische Öl (in Ihrem Reformhaus erhältlich) aus kleinen Nussfrüchten von biologisch kultivierten Leinpflanzen, ist wahrscheinlich das geeignetste, bewährteste natürliche Mittel zum Verhindern überschießender Entzündungen und zahlreicher Erkrankungen. Das Leinöl sollte jedoch nicht als Allheilmittel oder Wundermittel, sondern als essenzielles Basismittel für die Gesundheit verstanden werden – für Leib und Seele. Seriöse, erfahrene Anwender berichten auch von günstigen Wirkungen des Leinöls bei Ängsten und Depressionen. Selber kann ich das aus jahrzehntelanger ärztlicher Arbeit und sorgfältiger Erfahrung mit vielen Patienten bestätigen. Leider können manche Patienten mit vorbestehenden Leber-, Gallenerkrankungen oder Störungen der Pankreassekretion weder Fett noch Pflanzenöl, auch kein Leinöl, vertragen. Diese Patienten müssen leider bis zur Behebung ihrer Funktionsstörungen auf Leinöl verzichten. Zum Glück können in meiner Praxis fast alle wirklich Ratsuchenden hochwertiges Leinöl vertragen. Und selber leiste ich mir dankbar täglich 30ml gutes Leinöl. Somit fühle ich mich fit und gesund für 14-Stunden- Arbeitstage. Hochwertiges Leinöl aus biologisch angebauter und kalt gepresster Leinsaat ist kostbar. Die weltweit verfügbare, begrenzte Menge sollte möglichst gerecht geteilt werden. Individuell kann daher nur die täglich benötigte, gerade ausreichende Zufuhr empfohlen werden. Normalerweise sind Dosierungen über 30ml/Tag nicht erforderlich. Im Zweifelsfall hilft die Messung des Omega-6-/Omega-3-Quotienten im Blut, die optimale Dosis zu ermitteln. Schon 5ml hochwertiges Leinsamenöl (1 Teelöffel voll) an jedem Morgen können Ihr körperliches und seelisches Befinden verbessern, wenn auch nicht immer den Umschwung ermöglichen. Mit dieser Dosis habe ich selbst begonnen. Nun erlaube ich mir zu meiner Arbeit und für die Gesundheit 30 ml pro Tag (und zahle gern den fairen Preis dafür). Vielleicht wären höhere Dosierungen noch wirksamer, aber 30 ml pro Tag genügen mir. Je nach Ihrer Situation und Ihrer Belastung, je nach Vorerkrankungen wird die tägliche Aufnahme von Leinöl im Bereich zwischen 10 bis 30ml ratsam sein – mehr nur bei besonderem Bedarf. In optimaler Dosis – nicht zu viel und nicht zu wenig – kann hochwertiges Leinöl den Körper und die Seele glücklich machen.