Telomere und Langlebigkeit

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»Wir werden erst verstehen,
wie altern funktioniert,
wenn wir es aufhalten können.«
Nir Barzilai
Institute of Aging, New York

In den Ländern mit guter Versorgung, Hygiene und zweifellos auch mithilfe der modernen Medizin konnte seit der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts ein Zuwachs der statistischen Lebenserwartung um fünfzehn Jahre erreicht werden: von siebenundsechzig auf über achtzig Jahre. Oftmals sind die hinzu gewonnenen Jahre aber von Krankheit und Schwäche beeinträchtigt. »Niemand will uralte Menschen schaffen, die ihre Zeit krank im Altersheim absitzen« sagt William Andrews. Der renommierte amerikanische Molekularbiologe und Krebsforscher untersucht im Labor an Bindegewebszellen alle möglichen Wirkstoffe, die zur Lebens- und Gesundheitsverlängerung dienen könnten. Der Wissenschaftler vermutet, dass dies mittels Förderung der Telomerase-Aktivität in den Körperzellen des Menschen möglich sei.

um dies zu verstehen, muss an die Funktion der Telomere erinnert werden. Telomere sind die Schutzkappen der Chromosomen, unserer Erbsubstanz. Über Telomere verfügen auch Pflanzenzellen. Die länge, bzw. die Beständigkeit der Telomere bestimmt, ob die jeweilige Körperzelle sich noch weiter teilen (regenerieren) kann – oder erlischt. Solange sich gesunde Körperzellen noch weiter teilen können, ist Regeneration möglich. Körperzellen, deren Telomere verschlissen sind, gehen zu grunde. Leonard Hayflick entdeckte daher, dass sich normale Zellen des Menschen nicht unbegrenzt, sondern ungefähr fünfzig Mal teilen können, bis der programmierte Zelltod (Apoptose) einsetzt. Weil dann die Telomere aufgebraucht sind. Dadurch ist die Lebenserwartung jedes Menschen begrenzt. (Hayflick-limit)

»Unser Leben währet siebzig Jahre und wenn es hoch kommt, so sind es achtzig Jahre«, wusste schon der Psalmist (Psalm 90,10). Dieses Hochkommen wird inzwischen mit der statistischen Lebenserwartung erreicht. Darüber hinaus postuliert die Wissenschaft eine maximale Lebensdauer des Menschen von 125 Jahren. Bisher haben nur ganz wenige Menschen ein Alter von 115 Jahren erreicht. Am längsten lebte Jeanne Calment, die 122-jährig starb. Die moderne Medizin kann das Leben ihrer Patientinnen und Patienten um etliche Jahre verlängern. In der Regel sind diese Jahre jedoch von chronischer Krankheit und anhaltender Therapiebedürftigkeit überschattet. Wirklich erstrebenswert wäre das Erreichen hohen Alters in weitgehender Unabhängigkeit und Gesundheit. Davon ist die moderne Medizin allerdings noch weit entfernt. Daher sucht der Molekularbiologe William Andrews nach Wirkstoffen für den längeren Erhalt der Telomere, bzw. für deren Reparatur. Bei jeder Zellteilung geht ein wenig der Telomeren- Länge verloren. Deshalb gehen wichtige Zellen in unserem Organismus nach ca. fünfzig Teilungen zu Grunde (Hayflick-Limit siehe oben). Die Natur hat zwar ein Enzym entwickelt, dass die Telomere in Stamm-, Immun- und blutbildenden Zellen länger erhalten kann: die Telomerase. Die Telomerase-Aktivität erlischt aber in unseren anderen Zellarten nach der Geburt. Wenn die Telomerase in sämtlichen Körperzellen länger aktiv bliebe, könnten sie sich über das Hayflick-Limit hinaus teilen. Damit könnte nicht nur die Lebensdauer des Organismus, sondern auch die Funktionsfähigkeit der Organe verlängert werden. Das scheint verlockend, aber nicht unproblematisch: derartige Wirkstoffe könnten eventuell auch die natürliche Apoptose von Zellen verhindern, deren Erbgut mutiert ist. Und damit zum Entstehen weiterer Krebserkrankungen beitragen. Das Verlängern der Telomere mit künstlichen Mitteln könnte sich dann als hochgefährlich erweisen. Weitaus sinnvoller ist der Schutz der Telomere in unseren gesunden Körperzellen mit bewährten natürlichen Mitteln. In der evidenzbasierten Medizin gibt es aber keine Studien dazu. Vorläufigen Erkenntnissen zufolge sind die Wirkstoffe von Curcuma (Curcumin), von Grüntee (Epigallocatechingallat) und von Granatapfel (Ellagitannine) nicht nur zum Schutz vor Krebserkrankungen, sondern auch zum Schutz unserer Telomere geeignet. Diese Pflanzenarten sollten möglichst frühzeitig, idealerweise von Jugend an, aufgenommen werden. Aber auch in späteren Jahren ist deren Einsatz zum Schutz verbliebene Telomere noch sinnvoll. Mit dem Basisprogramm für längere Gesundheit werden diese Pflanzenarten kontinuierlich aufgenommen.

 

Dr. med. Klaus Mohr
Facharzt für Allgemeinmedizin Seit 1981 Hausarzt in Landpraxis, bemüht um die Integration von wissenschaftlicher Medizin und Naturheilkunde, um ganzheitliches psychosomatisches Verständnis, um Ernährungslehre und präventive Anwendung von Naturstoffen. Bis 1990 auch Dozent an der Reformhaus-Fachakademie. Seit 2005 weiterbildender Arzt im Fach Allgemeinmedizin. Publikation gesundheitsfördernder Informationen in der Zeitschrift reformleben. Und immer noch Hausarzt.