Forum: Kokosöl diskreditiert?

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Kokosöl - Laurinsäure

Jeden Monat erreichen uns zahlreiche Leserbriefe, die wir alle mit großer Freude lesen und prüfen. Damit auch andere Leser von den Einsendungen profitieren können, beantworten wir die spannendsten Gesundheitsfragen hier im „Forum“. Für mehr Durchblick im Informationsdschungel und ein gesünderes Leben!

Fördert Laurinsäure entzündliche Prozesse in der Darmwand?

Eine Leserin schrieb: „Sehr geehrter Herr Mohr, nachdem ich aufgrund Ihrer Veröffentlichungen statt Butter und Margarine ganz auf gutes Kokosöl umgestiegen bin und auch im Freundes- und Bekanntenkreis viel Werbung dafür gemacht habe, erreicht mich jetzt das Ergebnis einer Untersuchung von Prof. Gold der Uni Bochum (neurologie.klinikumbochum. de), in der festgestellt wurde, dass Laurinsäure, die hochgelobte, entzündliche Prozesse in der Darmwand fördern soll. Was haben Sie für Erkenntnisse darüber?

Meine Antwort darauf ist: Der anfragende Leser ist besorgt bzw. irritiert wegen einer Studie, die an der Neurologischen Klinik Bochum (Leiter Professor Dr. R. Gold) durchgeführt wurde. Ziel dieser Studie war es, die entzündungshemmende Wirkung von kurzkettigen Fettsäuren (speziell Propionsäure) nachzuweisen und damit eine „diätetische“ Zusatztherapie bei Multipler Sklerose und anderen Autoimmunkrankheiten zu entwickeln. Herr Prof. Dr. Gold ist anerkannter Experte in der Erforschung und Therapie von Multipler Sklerose und anderen neurodegenerativen Erkrankungen. Seine Initiative für eine diätetische bzw. biologische Therapie dieser Erkrankungen ist zu begrüßen. Dass kurzkettige Fettsäuren entzündungshemmend und langkettige gesättigte Fettsäuren entzündungsfördernd wirken, war schon lange vermutet worden. Die Bestätigung mittels Zellkulturen und experimentellem Modell ist daher keine Sensation. In der Aussage zu dieser Studie, auf die sich der Leser bezieht, „dass langkettige Fettsäuren wie die Laurinsäure die Entstehung und Vermehrung von entzündlichen Zellen in der Darmwand fördern“, steckt jedoch ein schwerwiegender und irreführender Fehler.

Laurinsäure ist keine langkettige Fettsäure

Unter physiologischen Bedingungen kommt Laurinsäure im Dickdarmlumen gar nicht erst an. Tatsächlich gehört Laurinsäure zu den mittelkettigen Fettsäuren, die im Organismus ganz anders wirken als langkettige. Im Gegensatz zu Fetten mit langkettigen Fettsäuren werden mittelkettige Triglyceride, die Laurinsäure enthalten, unabhängig vom Gallenfluss und von Pankreaslipase bereits im oberen Dünndarm leicht resorbiert und von der Leber sowie vom Gehirn für die leichte, effektive und nahezu rückstandsfreie Energiegewinnung bevorzugt. Wenn die angedaute Nahrung den Dickdarm erreicht, ist die Laurinsäure längst – ohne jede Entzündungsreaktion – von den Körperzellen genutzt worden.

Weil für die Aufnahme der Laurinsäure kein Insulin nötig ist, machen physiologische Mengen nicht dick. Zudem bedeutet weniger Insulinausschüttung auch weniger Entzündung und weniger Arteriosklerose und weniger Krebszellwachstum. Insofern geht diese Aussage der “Ernährungsstudie“ fehl. Diese Studie, von der unser Leser beunruhigt war, versprach Auskunft: „wie Fettsäuren abhängig von ihrer Kettenlänge die Entzündung über die Darmwand fördern oder hemmen können.“ Hauptanliegen dieser Studie ist allerdings, die Wirkung von Propionsäure bzw. Natriumproprionat auf Immunzellen in der Dickdarmwand nachzuweisen. So könnte eine diätetische Therapie („Nahrungsergänzung“) der Multiplen Sklerose möglich werden. Bis dahin wird jedoch noch einiges zu klären sein. Je nach Art der Dickdarmflora und deren Substrat wird Propionsäure in wechselnden Mengen gebildet. Zum Vergleich mit der Propionsäure wurde in dieser Studie an Zellkulturen etc. die Laurinsäure verwendet, weil sie besser wasserlöslich ist als langkettige Fettsäuren.

Laurinsäure als langkettige Fettsäure zu bezeichnen ist nicht korrekt

Physiologisch ist dieser Vergleich völlig irrelevant, weil Laurinsäure biologisch im Dickdarm kaum ankommt. Deshalb kann Laurinsäure da gar nicht entzündungsfördernd wirken. Laurinsäure als langkettige Fettsäure zu bezeichnen und anzusehen, ist wissenschaftlich nicht korrekt. Bezeichnenderweise wird in der „Proof-of-Concept“-Studie am Menschen hochdosiertes Natriumpropionat im Vergleich mit Placebo, nicht gegen Laurinsäure getestet. Ob hohe Mengen von Propionsäure bzw. von deren Salzen gut oder schlecht für die Leber und die Darmflora sind, wird sich nach Abschluss dieser Studie erweisen. Bisher wurden Propionate weitaus niedriger dosiert als Konservierungsstoffe in manchen Fertigprodukten der Nahrungsindustrie eingesetzt.

Meine Empfehlung!

Selber würde ich solche Produkte nicht essen und nicht empfehlen. Wohl aber Kokosöl aus Bioanbau mit hohem Gehalt an Laurinsäure. Von deren zell-, nerven-, gehirn- und immunschützender Wirkung ich überzeugt bin. Zusätzlich entzündungshemmend wirkt im Basisprogramm für längere Gesundheit das Curcumin, das Leinöl und der Granatapfel Muttersaft.