Heilung von innen

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Wer krank ist, möchte geheilt und gesund werden.

Dem Vernehmen nach, aus medizinischen und technischen Untersuchungen oder aus Internetforen, gibt es in unserer Zeit aber kaum noch gesunde Menschen. Aldous Huxley hatte das schon vor beinahe hundert Jahren vorausgesagt. Und die moderne Medizin spricht – korrekterweise und um keine unerfüllbaren Hoffnungen hervorzurufen – schon lange nicht mehr von Heilung, sondern von Remissionen und verminderten Komplikations-, Hospitalisierungs- und Mortalitätsraten. Und allenfalls noch von Wundheilungen, ohne die Operationen scheitern würden. Da ist dann das Mitwirken des Organismus doch noch gefragt.

Aber nicht nur da ist durch noch so perfekte medizinische Prozeduren von außen her ohne inneres Mitwirken, ohne Selbstbeteiligung, ohne Natur wirkliche Heilung nicht zu erreichen.

Medicus curat, natura sanat.

Medicus curat, natura sanat: der Arzt behandelt, die Natur heilt, wussten die Alten.

Das Anregen und Fördern der Selbstheilungskräfte im Organismus mit natürlichen Mitteln ist wesentliches Grundprinzip der Naturheilkunde. Seitens moderner, synthetisch und technisch eingreifender Medizin werden die natürlichen inneren Heilkräfte allerdings für wenig wirksam und obsolet erachtet. Jedoch wurden unsere Vorfahren davon – lange bevor es die moderne Medizin gab – davon so weit erhalten, dass sie die Erbanlagen und das Leben nachhaltig weitergeben konnten.

Inzwischen ist aber, nach ein paar Jahrzehnten enormen, mitunter irrwitzigen Fortschritts, das Leben künftiger Generationen so weit absehbar arg belastet. Und die Selbstheilungskraft verkümmert. Der Klimawandel, klarer gesagt: die katastrophenerzeugende, vom Fortschritt der Menschheit verursachte Veränderung des Erdklimas mit Dürren, Bränden, verheerenden Stürmen und Überschwemmungen in vielen Regionen kann allenfalls noch vom derzeitigen Präsidenten der USA geleugnet werden. Hierzulande hat sich die politische Diskussion und die Rechtsprechung, getrieben von einer streitbaren Umwelthilfsorganisation, am – etwas weniger kohlendioxidproduzierenden – Dieselmotor verhakt. Der Hauptfaktor ist aber: viele Menschen in unserer Gesellschaft verbrauchen und fahren und fliegen unnötig viel. Auch die persönliche Selbstverantwortung ist verkümmert.

Da werden immer mehr Mitmenschen krank – und abhängig von immer mehr eingreifender Medizin. Die mit synthetischen Medikamenten, ausgefeilten Programmen, Prozeduren und Technik auf die Kranken einwirkt: hoch effektiv, oft rettend und hilfreich – aber auch belastend. Und selten nur nachhaltig heilend. Für viele Menschen in unserer Gesellschaft ist diese Art von Medizin jedoch unverzichtbar.

Innere und mentale Kräfte

Die inneren Kräfte im Organismus, die reparieren und heilen, waren schon lange vor jeder Medizin da. Und auch die mentalen Kräfte.

„Willst du wirklich gesund werden?“, hatte Jesus den Kranken am Teich Betesda gefragt (Johannes 5,6) und ihm auf den Einwand: „Herr, ich habe keinen Menschen, der mich in den Teich trägt, wenn das Wasser sich bewegt“ gesagt: „Stehe auf, nimm dein Bett und wandle.“ Sofort wurde der Mensch gesund, er nahm sein Bett und konnte gehen“, berichtet der Evangelist lapidar.

War da ein Wunder geschehen, das eigentlich vom Wasser des Teiches Betesda, von einem Engel in Wallung gebracht, erhofft worden war? Das Wunder entstand aus der grundlegend veränderten Einstellung (nicht Einbildung!) des Lahmen, der daraufhin selber sein Bett aufhob und wieder gehen konnte. Wissenschaftlich kann das als psychosomatische Heilung deklariert werden. In unserer Zeit ist jedoch psychosomatische Kränkung häufiger als psychosomatische Heilung. Vom weiteren Schicksal des Geheilten wird im Evangelium nicht berichtet. Vermutlich waren mit der heilsamen Intervention nicht alle Gebrechen seines Körpers behoben. Hingegen war seine Selbstheilung in Gang gekommen. Wandle steht nicht bloß für gehen, sondern auch für verwandeln.

Optimale Substratzufuhr aus gesundheitsfördernder Nahrung

Wobei es missverständlich wäre, von der Selbstheilung das sofortige, wundersame Hinwegnehmen sämtlicher Störungen und Krankheiten zu erhoffen. Das wäre Wunderheilung, die rational völlig unwahrscheinlich ist. Real sind hingegen mikrokleine Heilungsprozesse in unserem Körper, deren Wirken von äußeren und inneren Bedingungen abhängt, vor allem von optimaler Substratzufuhr aus gesundheitsfördernder Nahrung und bedarfsweise Nahrungsergänzung und – oftmals entscheidend – von der mentalen Einstellung. Der Geist ist’s, der den Körper baut, war Friedrich Schiller, der Dichter und Arzt, überzeugt.

Damit wird eventuelle Notwendigkeit eingreifender Medizin keineswegs in Abrede gestellt. Ohne komplementäres Wirken der Selbstheilungskräfte bleiben aber alle äußeren Maßnahmen vergeblich.

Derartige – komplementäre oder autonome – Selbstheilungskraft entsteht aus den Programmen und den damit gebildeten

Funk-tionsstoffen, die von Natur aus in den Zellen und Geweben, da vor allem im Bindegewebe und im Immunsystem unseres Körpers, angelegt sind. Überlagert von äußeren

Bedingungen und Belastungen können die inneren Heilkräfte aber beeinträchtigt sein. Überwachende, regulierende und reparierende Mikrowerkzeuge – Enzyme und Polypeptide – sind schon bei der Selbstreplikation der DANN in sämtlichen Zellkernen erforderlich: zur Weitergabe möglichst unbeschadeter Erbinformation an die Tochterzellen im Organismus

und an die Keimzellen (Replikation). Teile der Information werden von der DNA auf Ribonukleinsäuren übertragen (Transkription), mit deren Anleitung (Translation) lebens- und gesundheitswichtige Funktionsproteine gebildet werden. Schon während der Replikation können aber Schäden an der DNA entstehen, induziert von Oxidation, von mutagenen Chemikalien oder ionisierender Strahlung und Mangel an pflanzlichen Schutzstoffen. Nachfolgende Zellgenerationen verlieren dann wesentliche Funktionen, gehen zu Grunde – oder in bösartiges Wachstum über.

Zuständig für die Abwehr von Krankheiten, besonders von Infektionen und ansatzweise auch von bösartig veränderten Körperzellen, ist das Immunsystem. Da sind aber auch Grenzen der Selbstheilung ersichtlich: das Immunsystem kann nämlich nicht alle krankheitserregenden Mikroorganismen jederzeit vollständig eliminieren – und Tumorzellverbände alleine nicht sicher bekämpfen.

Darüber hinaus kann das Wirken unseres Immunsystems durchaus zweischneidig sein: Indem es nicht nur Krankheitserreger und bösartig veränderte Zellen angreift, sondern auch körpereigene Strukturen. Dann entstehen schwer heilbare Autoimmunkrankheiten, Kollagenosen, rheumatische Erkrankungen, chronische entzündliche Darmerkrankungen, chronisch entzündliche Nerven- und Gehirnerkrankungen, Lungenerkrankungen, Nierenerkrankungen. Sämtliche Organe können betroffen sein.

Macht Zivilisationskost krank?

Warum entstehen in unserer Zeit immer mehr Autoimmunerkrankungen? Bisher ist es wenig geklärt. Vermutlich ist das Immunsystem überfordert und überreizt:

Die Zivilisationskost mit übermäßiger Zufuhr von raffinierten Zuckern und polymeren Kohlenhydraten und dazu noch arachidonsäurehaltigen tierischen Fetten wirkt, anfangs wenig bemerkt, später arg intensiv entzündungsfördernd im Organismus.

Akute Entzündung wird durch Ausschüttung von Cortisol aus den Nebennierenrinden reguliert und limitiert. Chronische Entzündung induziert dauerhaft erhöhte Cortisolausschüttung, die schließlich zur Erschöpfung der Nebennierenrinden führt. Dadurch gerät das Immunsystem aus dem Gleichgewicht. Sind die Cortisolspiegel andauernd hoch ist die Immunabwehr gegen Viren und mutierte Körperzellen unterdrückt. Symptomatisch dafür ist das Aufflackern von Herpesbläschen an den Lippen oder Aphthen der Mundschleimhaut und später abnorme Müdigkeit. Chronische Entzündung steigert das Risiko, an Autoimmunkrankheiten, an Krebs, an entzündlichen Nervenerkrankungen und an Demenz zu erkranken.

Welche Konsequenzen sind sinnvoll?

1. Ernährung

1.1 Weniger Kohlenhydrate zuführen

1.2. Zum Ausgleich Pflanzenöle mit hohem Anteil von Omega-3-Fettsäuren (Leinöl, Walnussöl) und einfach ungesättigten Fettsäuren (Olivenöl) und mittelkettigen gesättigten Fettsäuren (Kokosöl) aufnehmen – und tierische Fette mit hohem Arachidonsäuregehalt meiden.

1.3. Für ausreichende Versorgung mit essenziellen Aminosäuren aus Hülsenfrüchten, Kürbiskern- und Reisprotein sorgen.

2. Mentalität

2.1. Weil es gut für die Gesundheit ist, habe ich mich entschieden, glücklich zu sein, hatte Voltaire – damals ironisch – empfohlen. Neuere Studienergebnisse von psychosomatisch und neuroimmunologisch forschenden Wissenschaftlern bestätigen: Optimismus und Glücksempfinden wirkt positiv auf bestimmte Immunfunktionen. Aber wie kann man optimistisch und glücklich sein? Das hängt weniger von den Umständen und mehr von der eigenen Entscheidung ab. Die Umstände sind immer weniger erfreulich. Zudem kann man jahrzehntelang praktizierten Missmut nicht sofort mit Knopfdruck löschen wie ein obsoletes Programm. Stattdessen ist es sinnvoll, ganz einfach achtsamer, bewusster und selbstverantwortlicher zu werden.

2.2 Bestärkt diese Entwicklung von Mitgefühl, Toleranz, Humor und (ja!) Fatalismus. Letzterer ist in unserer Zeit, angesichts aller Umstände, besonders erforderlich. Dazu empfehle ich Ihnen, das Buch von Matthias Drobinski zu lesen (das gute Freunde mir schenkten). Damit erwächst auch Gelassenheit (statt Ichhaftigkeit und Selbsthaftigkeit). All das ist gut für die Gesundheit.

2.3. Meditieren (s. reformleben 11/2018), um zur Ruhe zu kommen, achtsam und klar zu sein, ist ein guter Begleiter dieser Entwicklung.

3. Naturstoffe für die Gesundheit

Sind die Zellen im Körper des Menschen intelligenter als die Zellen der Pflanzen? Menschen können denken, planen, konstruieren, streiten und zerstören. Und sind zunehmend krankheitsanfällig, befallen von Arteriosklerose und von Infarkten, von Autoimmunerkrankungen, von Ängsten und Depressionen, von Krebs, von entzündlichen Nervenerkrankung und von Demenz.

Pflanzenzellen haben sich in Millionen von Jahren, lange vor dem Erscheinen des Menschen, anders, gesünder und nachhaltiger entwickelt. Und dazu eigene Schutzstoffe gebildet. Einige davon können zur Gesundheit, wie zur Genesung, des Menschen wesentlich beitragen. Die notwendigsten und bewährtesten davon sind im Basisprogramm für längere Gesundheit (erklärt in Ihrem Kompetenzmagazin reformleben) kombiniert. Erinnert sei hier besonders an die Alphalinolensäure aus Leinöl, an das Curcumin, an das Epigallocatechingallat aus Grüntee, und an die Ellagitannine des Granatapfels.

Werden Sie damit künftig besser und nachhaltiger gesund.