Safran – das natürliche Antidepressivum

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Die coronabedingten Quarantänen und Kontaktsperren haben bei vielen Menschen zu Einsamkeit und Schwermut geführt. Viele haben aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Situation Zukunftssorgen. Und nun steht auch noch die dunkle Jahreszeit vor der Tür, in der viele ohnehin oft unter Gemütsschwankungen und depressiven Verstimmungen leiden. Um dem entgegenzuwirken, wird dazu geraten, Sport zu treiben oder sich ausgiebig an der frischen Luft zu betätigen und Freunde zu treffen – sofern das im Rahmen der Pandämievorschriften möglich ist. Auch Meditation oder Yoga kann die Gemütslage verbessern. Und nicht zuletzt können auch bestimmte Pflanzenstoffe helfen, Stimmungstiefs zu überwinden ohne gleich zu Medikamenten greifen zu müssen. Denn die haben nicht selten starke Nebenwirkungen.

Die naturheilkundliche Therapie von depressiven Verstimmungen und Wechseljahresbeschwerden erfolgte bisher traditionell oft mit Johanniskraut. Allerdings hat Johanniskraut den Nachteil, dass es die Sonnenempfindlichkeit der Haut und damit die Sonnenbrandgefahr erhöht. Zudem kann die Einnahme von Johanniskraut zu Wechselwirkungen mit anderen Wirkstoffen und Medikamenten führen und sollte daher nur in Rücksprache mit dem Arzt erfolgen. Zum Glück bietet die Naturheilkunde auf der Grundlage umfangreicher Studien mittlerweile einen Pflanzenwirkstoff, der depressive Verstimmungen und geistigen Leistungsabfall auf sehr sanfte Weise bekämpft: Safran.

Edles Gewürz aus Vorderasien

Safran ist eine Krokusart und gehört zu der Familie der Schwertliliengewächse (Iridaceae). Die Knollenpflanze produziert Blüten mit jeweils einem dreigliedrigen, gelbgefärbten Stempel, auch Griffel, Narbe oder Stigma genannt, der als Gewürz weltbekannt ist. Für ein Kilogramm des feinen Gewürzes werden etwa 150.000-200.000 Blüten oder 700.000 Stempel benötigt, die per Hand gepflückt werden müssen. Kein Wunder, dass echter Safran sehr teuer ist. Für 50 Gramm Safranfäden muss man rund 170 Euro bezahlen. Safran wird zwar auch in Europa im Mittelmeerraum angebaut, allerdings stammt über 90 Prozent der weltweiten Safranproduktion aus Afghanistan und vor allem dem Iran. Die Pflanze blüht einmal im Jahr im Herbst und kann dann in einem Zeitraum von zwei Wochen geerntet werden. Safran kennen die meisten aus der Küche, wo es als färbendes Gewürz verwendet wird („Safran macht den Kuchen gehl“). Auch als Färbemittel für Kleidung wurde die Pflanze genutzt. Für die starke Farbkraft sind Carotinoide, insbesondere das Crocin und Carotin verantwortlich. Das intensive Aroma entsteht durch ätherische Öle. Das Monoterpen-Aldehyd Safranal spielt dabei eine herausragende Rolle. Daneben enthält Safran zahlreiche Vitamine und Flavonoide, also sekundäre Pflanzenstoffe.

Safran in der Naturheilkunde

Bereits in der Antike wurde Safran für die Gesundheit verwendet. Auch Hippokrates spricht von einer positiven Wirkung von Safran. In der traditionellen chinesischen Medizin und im indischen Ayurveda ist Safran bereits seit 2000 Jahren bekannt. In der Naturheilkunde wurde Safran bisher hauptsächlich wegen seiner kardiovaskulären, schmerzstillenden und entzündungshemmenden Effekte eingesetzt. Zudem hat Safran günstige Wirkungen auf das Magen-Darm- System, den Urogenitaltrakt und das Atemsystem. Auch die Behandlung von Augen- und Hauterkrankungen mit Safran hat Tradition. Während die Studienlage hier manchmal nicht ganz eindeutig ist, hat sich in den letzten Jahren jedoch die eindeutig positive Wirkung von Safran auf das zentrale Nervensystem und die Psyche wissenschaftlich erhärten lassen. Auf Basis der Erfahrungsheilkunde, nach der Safran Menschen widerstandsfähiger gegen Stress und negative Umwelteinflüsse machen soll, hat die moderne Wissenschaft die Wirkungen von Safran auf die Psyche und geistige Leistungsfähigkeit immer intensiver erforscht. Dabei konnten die antidepressiven Wirkungen von Safranextrakten bereits wissenschaftlich gezeigt werden. Neueste Studien belegen die antioxidative, antidepressive und antikanzerogene Wirkung der Inhaltsstoffe wie Safranal.

Studien zeigen antidepressive Wirkung

So wurden konkret die folgenden Mechanismen in Bezug auf Safran untersucht:
• Antioxidatives Potential: Patienten mit Depression haben höhere oxidative Stresslevel und geringere antioxidative Abwehrmechanismen. Safran wirkt stark antioxidativ.
• Antiinflammatorisches Potential: Patienten mit Depression haben erhöhte Spiegel an Entzündungsmarkern im Blut. Safran wirkt entzündungshemmend.
• Neubildung von Nervenzellen: Depression geht oft mit der Schädigung von Nervenzellen einher. Safran wirkt neuroprotektiv.
• Beeinflussung des Neurotransmittersystems: Bei Depressionen ist in der Regel der Neurotransmitterspiegel (z.B. Dopamin) niedriger. Safran erhöht die Bildung der Neurotransmitter

So wurden zum Beispiel zwei Gruppen von Patienten mit milder bis moderater Depression 30 mg Safranextrakt in Kapselform oder ein Placebo verabreicht. Die Patienten der Interventionsgruppe hatten nach der sechswöchigen Einnahme signifikant bessere Ergebnisse bei Einteilung durch die Hamilton-Skala, einer Beurteilungsskala über den Grad einer depressiven Störung, als die Patienten der Placebo-Gruppe. Man führt die Wirkung auf die Erhöhung des Serotonin-
Spiegels durch den Wirkstoff Safranal zurück. Zudem hat Crocin offenbar Einfluss auf die Bildung der Neurotransmitter Dopamin und Noradrenalin, die eine psychotrope Wirkung haben. Daneben verbesserte sich die Schlafqualität der Probanden. Es zeigte sich außerdem, dass die Gabe von Safran im Vergleich zu anderen Antidepressiva wesentlich weniger oder keine Nebenwirkungen hervorrief.

Um die stimmungsaufhellende Wirkung von Safran zu nutzen, reicht es jedoch leider nicht, sich ein paar Safranfäden in den Reis zu streuen. Dafür braucht esnschon spezielle Nahrungsergänzungen mit hochwertigen und aufkonzentrierten natürlichen Extrakten, die einen hohen Gehalt des sekundären Pflanzenstoffs Safranal enthalten. Diese sollten frei von künstlichen Zusatzstoffen sein, können aber durchaus auch mit bestimmten Vitaminen oder weiteren Pflanzenstoffen ergänzt werden.

Dr. rer. nat. Anja Bettina Irmler