Quercetin der gelbe Powerstoff aus Pflanzen

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In Brokkoli steckt er drin, in Äpfeln, Zwiebeln, Zitrusfrüchten und Tomaten, aber auch in grünen Bohnen, Grünkohl und Kapern. Die Rede ist von Quercetin, einem gelben Naturfarbstoff aus der Substanzgruppe der Flavonole bzw. Flavonoide. Das Besondere: Quercetin hat Studien zufolge viele positive Wirkungen auf den Körper. So werden diesem sekundären Pflanzenstoff zellschützende, entzündungshemmende und sogar antikanzerogene Effekte zugesprochen.

Neuer Geheimtipp fürs Immunsystem

In jüngsten Studien hat sich Quercetin immer mehr zum „Star“ der immunstärkenden sekundären Pflanzenstoffe gemausert. Dies beruht nicht nur auf seiner hohen antioxidativen Aktivität, Quercetin ist auch ein wirksames antivirales Mittel, weil es die Vermehrung unterschiedlicher Atemwegsviren hemmt. Dazu gehören das Influenzavirus, das Parainfluenzavirus, das Respiratorische Syncytialvirus, das Adenovirus und das Schnupfen- bzw. Rhinovirus. In Tierversuchen konnte gezeigt werden, dass Quercetin die durch Schnupfenviren ausgelöste Ausschüttung entzündungsfördernder Botenstoffe und Lungenentzündungen sowie die Viruslast reduziert. An Mäusen konnte nachgewiesen werden, dass eine Quercetin-Supplementierung die Anfälligkeit für Influenza-A-Virusinfektionen und die Schwere der Erkrankung verringert. Bei Sportlern reduziert Quercetin die Symptome von Infektionen der oberen Atemwege nach stressigem Training.

Unterstützung der Herz-Kreislauf-Gesundheit

Durch die hohe antioxidative Aktivität schützt das Quercetin das „gute“ LDL-Cholesterin vor Oxidation. Und auch die antientzündlichen Effekte des Quercetins unterstützen die Gefäßgesundheit. Denn Erkrankungen wie Arteriosklerose gehen mit entzündlichen Prozessen einher. Darüber hinaus hat Quercetin aber auch antithrombotische Eigenschaften, das heißt, es verhindert die Zusammenlagerung von Blutplättchen. Und durch seinen Einfluss auf Enzyme im Inneren von Blutgefäßen kann Quercetin sogar den Blutdruck positiv beeinflussen.

Sinnvoll für die Krebsvorbeugung

Eine weitere wichtige Bedeutung kommt dem natürlichen Wirkstoff beim Kampf gegen Krebs zu. Denn hierbei wirkt der sekundäre Pflanzenstoff in vielerlei Hinsicht. So kann Quercetin durch die Hemmung der Zellteilung die Vermehrung von Tumorzellen unterdrücken. Zudem ist der gelbe Naturfarbstoff in der Lage, körperfremdes oder verändertes Eiweiß zu zerstören. Dieser auch Autophagie genannte Selbstreinigungsprozess geht oft mit dem sogenannten programmierten Zelltod (Apoptose) einher.

Auch auf die Blutgefäßbildung des Tumors nimmt Quercetin Einfluss: Für die Vermehrung von Tumorzellen benötigt der Krebs eine Vernetzung über Blutgefäße. Nur so kann er sich mit den notwendigen Substanzen versorgen, die er zum Wachstum braucht. Quercetin hemmt die Bildung dieser notwendigen Blutgefäße und bekämpft somit das Tumorwachstum. Für Patienten, die eine Chemotherapie erhalten, kann Quercetin ebenfalls sinnvoll sein. Die mit dieser Therapie verabreichten Chemikalien sind oft aggressiv und greifen auch gesunde Zellen an. Quercetin setzt hier an und schützt das in den Zellen enthaltene Erbgut vor den zerstörenden Inhaltsstoffen. Gesunde Zellen bleiben somit erhalten.

Nur wenig Quercetin kommt tatsächlich im Körper an

Die empfohlene Dosis liegt für Quercetin bei 5 bis 40 mg pro Tag. 100 g Brokkoli enthalten zum Beispiel etwa 3 mg Quercetin. Die durchschnittliche Menge, die wir mit gemischter Kost aufnehmen sollten, beträgt etwa 5 bis 40 mg pro Tag. Da jedoch ein Großteil der Bevölkerung die fünf Portionen Obst und Gemüse nicht erreicht, könnte der Wert wesentlich niedriger liegen. Hinzu kommt, dass ein großer Teil des Quercetins von der Ernte bis zum Verzehr durch viele Verarbeitungsvorgänge wie Transport und Lagerung, Zerkleinern, Auftauen und Erhitzen zerstört wird.

Um Quercetin beim Zubereiten der Speisen nicht zu zerstören, sollte man auf eine schonende Zubereitung achten. Bei Obst findet sich Quercetin meist in der Schale. Daher sollte man zum Beispiel Äpfel nicht schälen. Quercetinhaltiges Gemüse sollte am besten roh verzehrt oder blanchiert, zumindest jedoch nicht allzu lange gegart werden. Die Zerstörung des Quercetins durch das Kochen ist sowohl von der Zeit als auch von der Menge des Kochwassers abhängig. Dampfgaren wirkt sich vorteilhaft auf den Quercetingehalt aus, während das Garen in der Mikrowelle ungeeignet ist, da hierbei die Zellen durch das in ihnen siedende Wasser platzen. Das Kochwasser sollte möglichst weiterverarbeitet werden, z. B. für Saucen und Suppen. Denn im Kochwasser ist noch Quercetin enthalten, das nicht verschwendet werden sollte. Wer Quercetin therapeutisch nutzen möchte, sollte auf hochwertige Nahrungsergänzungsmittel mit diesem sekundären Pflanzenstoff zurückgreifen.

Dr. rer. nat. Anja Bettina Irmler