Was ist MSM

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MSM (Methylsulfonylmethan) ist eine organische Schwefelverbindung, die natürlicherweise in tierischen und pflanzlichen Organismen vorkommt und somit in geringen Mengen Bestandteil der menschlichen Ernährung ist, zum Beispiel in Obst, Gemüse, Getreide, Fleisch, Milch usw. Das Molekül MSM enthält neben Sauer-, Wasser- und Kohlenstoff ein Schwefelatom. Schwefel ist für den Menschen essentiell und an 9. Stelle der häufigsten Elemente im Körper. Schwefel ist Bestandteil der Vitamine Biotin und Thiamin sowie der Aminosäuren Cystein und Methionin und somit in allen darauf aufbauenden Peptiden, Proteinen und Enzymen. Als wesentlicher Bestandteil von Keratin geben die schwefelhaltigen Aminosäuren Methionin und Cystein Haut, Haaren und Nägel Form und Stabilität. Schwefelbrücken zwischen diesen Aminosäuren sind wichtig für die räumliche Struktur und Funktionsfähigkeit von Enzymen und im weiteren Sinne wesentlich für den Umgang des Körpers mit oxidativem Stress. Reines MSM, wie es üblicherweise in Nahrungsergänzungsmitteln eingesetzt wird, bildet ein farbloses, geruchloses, wasserlösliches und leicht bitter schmeckendes Pulver. MSM ist übrigens nicht zu verwechseln mit Schwefeldioxid oder Sulfit, das z. B. zur Konservierung von Trockenfrüchten oder bei der Weinherstellung eingesetzt wird.

MSM wird seit Jahrzehnten als Nahrungsergänzungsmittel für Mensch und Tier (v. a. Pferde) genutzt. Es soll einen Mangel an Schwefel im Organismus ausgleichen. Auch in der Komplementär- und Alternativmedizin wird es bei einer Vielzahl von Indikationen angewandt, vor allem bei entzündlichen Erkrankungen der Gelenke und des Darmes, bei Schmerzen, Hautkrankheiten, Allergien und zum Entgiften.

Auch viele Forschungsinstitute weltweit haben die Schwefelsubstanz in den letzten Jahren ins Auge gefasst und untersuchen sie im Rahmen von Tier- und klinischen Humanstudien auf entsprechende gesundheitsförderliche Wirkungen. Deshalb gibt es zum Thema MSM mittlerweile eine breite Studienlage, vor allem zu den Indikationen Entzündungen, Gelenk- und Muskelschmerzen sowie die Reduktion von oxidativem Stress. Die US Lebens- und Arzneimittelbehörde FDA hat der Substanz MSM im Jahr 2007 den GRAS- Status (Generally Recognized As Safe, allgemein als sicher anerkannt) attestiert und somit die Unbedenklichkeit dieses Stoffes in bestimmten Lebensmitteln in definierten Mengen [1]. Die Schweizer Behörden haben für Erwachsene einen oberen Grenzwert zur täglichen Einnahme von MSM von 1 Gramm festgelegt [2]. Wie häufig bei Nahrungsergänzungsmitteln, sollte auch MSM nicht in der Schwangerschaft und Stillzeit, bei Überempfindlichkeit und von Kindern und Jugendlichen eingenommen werden, da hier Erfahrungswerte fehlen bzw. ein anderes Risikoprofil vorliegt.

MSM in klinischen Studien

Zumindest in in-vitro Studien – also „im Reagenzglas“ – wurde gezeigt, dass MSM an der Entzündungskaskade im Körper entscheidend beteiligte Komponenten, sogenannte Interleukine (IL-1, IL-6, TNF-α), reduzieren kann [3]. Eine solche Reduktion durch MSM wurde auch für die Aktivierung der Mastzellen beobachtet [4]. Mastzellen sind Zellen der körpereigenen Abwehr, die Botenstoffe, unter anderem Histamin, gespeichert haben. Mastzellen spielen eine wichtige Rolle bei Allergien vom Typ 1 (wie z. B. Asthma und allergische Rhinitis), im Rahmen derer sie Histamin freisetzen, welches zu den typischen und umgehenden Allergie- und Entzündungssymptomen führt. Dies könnte ein Hinweis auf die Mechanismen sein, wie MSM die positiven Wirkungen im Zusammenhang mit Entzündungen und Allergien entfaltet, die im Rahmen entsprechender klinischer Studien beobachtet wurden.

Einige dieser Studien untersuchten den positiven Einfluss von MSM bei Arthritis. Arthritis ist ein entzündlicher Zustand der Gelenke und betrifft ca. 1 % der erwachsenen Bevölkerung. Auslöser dieses Entzündungszustands können Infektionen, Gicht und vor allem Autoimmunerkrankungen (rheumatoide Arthritis) sein. Arthritis geht einher mit Schmerzen und Steifheit der Gelenke. Der Einfluss von MSM auf genau diese Parameter wurde untersucht und zwar mit Hilfe von standardisierten Fragebögen zu Schmerz, Funktionalität der Gelenke, aber auch Gehleistung und Alltagsbewältigung. Die Ergebnisse waren durchweg positiv. So konnte beispielsweise im Rahmen einer doppelblinden Placebo Humanstudie mit 3-stellige Probandenzahl nach Einnahme von 1,5 Gramm MSM täglich über 12 Wochen der Schmerzindex um die Hälfte reduziert werden [5]. Eine weitere Studie mit 3-stelliger Probandenzahl zeigte ähnliche positive Effekte durch MSM bzgl. Schmerz sowie Steifheit und Gelenkfunktion [6]. Auch in Kombination mit Boswelliasäuren (Weihrauch) führte die Einnahme von MSM zu einer deutlichen Reduktion von Schmerzen und der Steifheit der Gelenke [7].

Eine andere Studie beschäftigte sich mit der Wirkung von MSM bei saisonaler, allergischer Rhinitis, die, wenn sie durch Pollen oder Gräser ausgelöst wird, gemeinhin als Heuschnupfen bezeichnet wird. Klinische Beobachtungen und in-vitro Studien haben schon im Vorfeld Hinweise ergeben, dass MSM hier hilfreich sein könnte. Im Rahmen der Studie wurde den Probanden 2,6 g MSM täglich über einen Zeitraum von 30 Tagen verabreicht. Die Heuschnupfensymptome, wie Müdigkeit und respiratorische Beschwerden, wurden mithilfe eines standardisierten Fragebogens quantifiziert. Flankierend wurden bei den Probanden Entzündungs- und Allergie Parameter im Blut gemessen, unter anderem der Histamin- Spiegel. Schon nach 7 Tagen wurde eine deutliche Besserung der Beschwerden der oberen Atemwege bei den Probanden beobachtet und nach 14 Tagen der unteren Atemwege sowie der Müdigkeit. Veränderungen der Blutparameter wurden jedoch nicht gemessen [8].

Weitere kleine Studien untersuchten den Einfluss von MSM auf Muskelschmerzen und die Reduktion des oxidativem Stresslevels mit zum Teil guten Ergebnissen [9]. Insgesamt deuten die Ergebnisse der o. g. Studien darauf hin, dass die natürliche organische Schwefelverbindung ein breites physiologisches Wirkspektrum aufweisen könnte, vor allem bei entzündlichen Erkrankungen. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat in einer Stellungnahme sämtliche gesundheitlichen Wirkungen von MSM als wissenschaftlich nicht belegt gewertet, was heißt, dass gesundheitsbezogene Angaben für MSM in Nahrungsergänzungsmitteln gemäß der Health-Claims-Verordnung nicht zulässig sind [10]. Dies ist wenig überraschend, da die EFSA bisher Health-Claims im Wesentlichen nur für Vitamine, Mineralien, Spurenelemente, Fettsäuren und Ballaststoffe zugelassen hat. Möglicherweise wird sich das in der Zukunft aber ändern, da das wissenschaftliche und studienbasierte Fundament bezüglich des Einsatzes und der Wirkweise von MSM zunehmend breiter wird. Insofern dürfen wir gespannt sein auf weitere Studien und hoffentlich vielversprechende Ergebnisse rund um die Schwefelverbindung MSM.

Autor: Dr. Andreas Raab

[1] Borzelleca et al., Dossier in Support of the Generally Recognized as Safe (GRAS) Status of OptiMSM (Methylsulfonylmethane; MSM) as a Food Ingredient. Food and Drug Administration; Vero Beach, FL, USA: 2007.

[2] Das Eidgenössische Departement des Innern (EDI), Verordnung des EDI über Nahrungsergänzungsmittel; vom 16. Dezember 2016 (Stand am 1. Mai 2017), 817.022.14.

[3] Ahn et al., Methylsulfonylmethane inhibits NLRP3 inflammasome activation. Cytokine. 2015;71:223–231. [4] Kim et al., The anti-inflammatory effects of methylsulfonylmethane on lipopolysaccharide-induced inflammatory responses in murine macrophages. Biol. Pharm. Bull. 2009;32:651–656.

[5] Usha et al., Randomised, double-blind, parallel, placebo-controlled study of oral glucosamine, methylsulfonylmethane and their combination in osteoarthritis. Clin. Drug Investig. 2004;24:353–363.

[6] Pagonis et al., The effect of methylsulfonylmethane on osteoarthritic large joints and mobility. Int. J. Orthop. 2014;1:19–24.

[7] Notarnicola et al., Methylsulfonylmethane and boswellic acids versus glucosamine sulfate in the treatment of knee arthritis: Randomized trial. Int. J. Immunopathol. Pharmacol. 2016;29:140–146.

[8] Barrager et al., A multicentered, open-label trial on the safety and efficacy of methylsulfonylmethane in the treatment of seasonal allergic rhinitis. J. Altern. Complement. Med. 2002;8:167–173.

[9] Butawan et al., Methylsulfonylmethane: Applications and Safety of a Novel Dietary Supplement. Nutrients. 2017; 9(3):290.

[10] Scientific Opinion on the substantiation of health claims related to methylsulphonylmethane (MSM). EFSA Journal 2010;8(10):1746