SCHWARZER Knoblauch – Effektiv & ohne Gerüche

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Bei schwarzem oder gereiftem Knoblauch handelt es sich nicht um eine eigene Knoblauchsorte, sondern um den allseits bekannten weißen Knoblauch (Allium sativum), der einen bestimmten Veredelungsprozess durchlaufen hat.

Dafür wird erntefrischer Knoblauch schonend bei kontrollierter Luftfeuchtigkeit und Temperatur für einen definierten Zeitraum gelagert bzw. gereift. Bei dieser Reifung verändern sich Farbe, Konsistenz, Geschmack und Inhaltsstoffe des Knoblauchs. Er wird schwarz, erhält eine weiche Konsistenz und einen eher süßlichen Geschmack. Vielerorts wir Schwarzer Knoblauch als Delikatesse vermarktet und der Geschmack mit Pflaumenkompott, Lakritz oder Balsamico-Essig verglichen. Schwarzer Knoblauch wird also durch ein natürliches Reifungsverfahren ohne Zusätze oder Hilfsstoffe gewonnen.

Für Nahrungsergänzungsmittel werden meist Extrakte genutzt, da diese die Inhaltsstoffe in konzentrierter Form enthalten. Während des Reifeprozesses zum Schwarzen Knoblauch bleiben die typischen wertgebenden Komponenten erhalten bzw. reichern sich an. Dazu gehören Polyphenole, Flavonoide und bestimmte Schwefelverbindungen, wie z. B. S-Allylcystein, welche als Markersubstanz des Schwarzen Knoblauchs gilt. Die flüchtigen Schwefelverbindungen, die für den typischen Geruch und Geschmack des Knoblauchs verantwortlich sind, werden hingegen abgebaut. Dadurch ist Schwarzer Knoblauch

weitestgehend geschmacks- und geruchsneutral. Es entstehen nach dem Verzehr also keine unangenehmen Gerüche oder Ausdünstungen. Schwarzer Knoblauch ist zudem milder und gut verträglich, im Gegensatz zum rohen Knoblauch, der in höheren Dosen den Verdauungstrakt reizen und Übelkeit, Sodbrennen und Kopfschmerzen verursachen kann.

Knoblauch wird traditionell bei erhöhten Blutfettwerten und für die Gefäßgesundheit genutzt, um beispielsweise Arteriosklerose und Bluthochdruck vorzubeugen. Das Ziel ist die Senkung des Risikos für Herzinfarkt und Schlaganfall. Auch zur Stärkung des Immunsystems und wegen anti-mikrobieller Eigenschaften wird er verwendet.

Schwarzer Knoblauch in klinischen Studien

Die meisten Studien rund um den gereiften (schwarzen) Knoblauch beschäftigen sich mit seiner potentiell Blutdrucksenkenden Wirkung. Es wird vermutet, dass vor allem die Leitsubstanz im schwarzen Knoblauch, S-Allylcystein, über mehrere Zwischenschritte die Konzentration an Stickstoffmonooxid (NO) im Körper erhöht. NO ist ein wichtiger Botenstoff, der maßgeblich an der Regulation des Blutdrucks beteiligt ist. So senkt NO den Blutdruck, indem es zur Erschlaffung der Gefäßmuskulatur und damit zur Erweiterung der Blutgefäße beiträgt [1].

Eine Metastudie aus dem Jahr 2015 fasst neun klinische Humanstudien zur blutdrucksenkenden Wirkung von gereiftem Knoblauch zusammen, im Rahmen derer 482 Personen mit Bluthochdruck zwischen 8 und 26 Wochen mit entsprechenden Extrakten behandelt wurden. Die Auswertung ergab, dass die Knoblauch-Extrakte signifikant besser wirkten als ein entsprechendes Placebo. So wurde der systolische Blutdruck (oberer Wert) im Mittel um 9,1 mmHg und der diastolische Blutdruck (unterer Wert) im Mittel um 3,8mmHg gesenkt [2].

Eine aktuelle Studie aus dem vergangenen Jahr untersuchte den Einfluss von gereiftem Knoblauch auf Blutdruck, Entzündungsparameter und Arteriosklerose, also der Verengung von Gefäßen durch Ablagerungen an deren Innnenwänden. Die Arteriosklerose tritt bevorzugt an den Herzkranzgefäßen, der Aufzweigung der Halsschlagader und den großen Beinarterien auf. Die Ablagerungen oder Plaques bestehen vor allem aus Cholesterinestern und anderen Fetten sowie Calciumsalzen, die die Gefäße zusätzlich verhärten.

Im Rahmen dieser doppel-verblindeten Placebo-kontrollierten Studie an der Universitätsklinik in Lund (Schweden) wurde 104 Probanden (im Alter zwischen 40 und 75 Jahren und mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen) über ein Jahr gereifter Knoblauch (Extrakt) verabreicht. Doppel-verblindet bedeutet übrigens, dass weder der Proband noch der Verabreichende wissen, ob es sich um das Verum oder Placebo handelt. In der Verum-Gruppe, die Knoblauch erhielt, wurde das Fortschreiten der Verkalkung der Herzkranzgefäße innerhalb eines Jahres um ca. 30 % im Vergleich zur Placebo- Gruppe, die einen Extrakt ohne Wirkstoff erhielt, reduziert (Bestimmung via Computertomographie).

Im gleichen Zeitraum wurde der systolische Blutdruck durch die Einnahme des Schwarzen Knoblauch Extraktes im Mittel von 148 auf 140 mmHg gesenkt, in der Placebo- Gruppe wurde keine Senkung des Blutdrucks beobachtet. Zusätzlich wurde in der Verum-Gruppe eine signifikante Senkung von molekularen Entzündungsmarkern im Blut nachgewiesen, nämlich eine Senkung von Interleukin-6 (IL-6) und des C-reaktiven Proteins (CRP) [3].

Das bestätigt Ergebnisse einer früheren Studie, im Rahmen derer auch beobachtet wurde, dass verschiedene Entzündungsmarker im Blut durch die Einnahme von schwarzem Knoblauch gesenkt wurden [4].

Diese Senkung könnte eine Erklärung für den positiven Einfluss von schwarzem Knoblauch auf die Gefäßgesundheit sein, da Entzündungsmarker, wie z. B. IL-6, an den entzündlichen Prozessen der Arteriosklerose beteiligt sind und diese fördern [5].

Der schwarze oder gereifte Knoblauch birgt also, wie auch der weiße Knoblauch, großes Potential bei der Prävention und Behandlung von kardiovaskulären Erkrankungen. Jedoch entstehen nach seinem Verzehr keine unangenehmen

Gerüche oder Ausdünstungen, und er ist zudem milder und gut verträglich. Deshalb ist davon auszugehen, dass seine

Popularität weiter wachsen wird und wir dürfen gespannt sein auf weitere interessante Studien und Ergebnisse rund um das Thema Schwarzer Knoblauch.

Autor: Dr. Andreas Raab

[1] Morihara et al., Aged garlic extract maintains cardiovascular homeostasis in mice and rats. J Nutr. 2006;136(3):777-781.

[2] Rohner et al., A systematic review and metaanalysis on the effects of garlic preparations on blood pressure in individuals with hypertension. Am J Hypertens. 2015;28:414-423.

[3] Wlosinska et al., The effect of aged garlic extract on the atherosclerotic process – a randomized double-blind placebo-controlled trial. BMC Complementary Medicine and Therapies. 2020;20:132.

[4] Ried et al., The effect of aged garlic extract on blood pressure and other cardiovascular risk factors in uncontrolled hypertensives: the AGE at Heart trial. Integrated Blood Pressure Control. 2016;9 9–21.

[5] Hartman et al., Inflammation and atherosclerosis: a review of the role of interleukin-6 in the development of atherosclerosis and the potential for targeted drug therapy. Cardiol Rev. 2014;22(3):147–151.