
Stoffwechsel-Psychiatrie (Metabolic Psychiatry) ist eine aufstrebende neue Fachrichtung, welche die Verbindung zwischen Stoffwechselstörungen und mentalen Erkrankungen untersucht. Insbesondere die drei Ds – Depression, Diabetes und Demenz – stehen im Fokus, da sie alle eng mit Insulinresistenz verbunden sind. Dieser Artikel beleuchtet, wie Insulinresistenz das Gehirn beeinflusst, die Zusammenhänge zwischen diesen Erkrankungen erklärt und aufzeigt, wie Bewegung und Ernährung eine Rolle bei der Prävention und Behandlung spielen können.
Historischer Kontext: Trennung von Neurologie und Psychiatrie
Die Rolle Sigmund Freud's
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts führte Sigmund Freud eine bedeutende Trennung zwischen Neurologie und Psychiatrie ein. Freud, ursprünglich ein Neurologe, wandte sich zunehmend der Psychoanalyse zu, die sich auf die Erforschung des Unbewussten, der Träume und der psychosexuellen Entwicklung konzentrierte. Seine Arbeit legte den Grundstein für die moderne Psychotherapie und schuf eine klare Trennung zwischen den biologischen und psychologischen Aspekten von Geisteskrankheiten.
Auswirkungen dieser Trennung auf die Medizingeschichte
Diese Trennung prägte die letzten 120 Jahre der Medizingeschichte erheblich. Psychiatrische Erkrankungen wurden weitgehend unabhängig von neurologischen und physiologischen Prozessen betrachtet. Die Psychiatrie konzentrierte sich auf psychologische und soziale Faktoren, während die Neurologie sich mit den biologischen Grundlagen von Gehirnerkrankungen befasste. Diese Dichotomie führte zu einer Vernachlässigung der biologischen Aspekte psychiatrischer Erkrankungen und zu einer Fragmentierung des Wissens über das Gehirn.
Rückbesinnung auf das Gehirn als Teil des Körpers
Erst in den letzten Jahrzehnten gab es eine Rückbesinnung auf die Tatsache, dass das Gehirn nun einmal ein Teil des Körpers ist und somit ebenfalls von körperlichen und metabolischen Störungen betroffen ist. Das Gehirn ist ein besonders energiehungriges Organ. Ein Viertel unseres täglichen Energiebedarfs geht auf Kosten des Gehirns. Es sollte somit eigentlich naheliegend sein, dass dieses Organ ganz besonders sensibel auf Störungen des Stoffwechsels reagiert.
Insulinresistenz und seine Auswirkung auf das Gehirn
Insulinresistenz (IR) ist ein Zustand, bei dem die Zellen des Körpers nicht mehr adäquat auf Insulin reagieren, was zu erhöhten Blutzuckerspiegeln führt. IR ist ein Zustand, der oft viele Jahre oder gar Jahrzehnte unentdeckt bleibt. Um IR wirklich frühzeitig zu erkennen, sollte der HOMA-IR Index bestimmt werden. Blutzucker oder Langzeitblutzucker (Hba1c) sind wenig sensibel, um die Insulinresistenz in den Anfängen zu erkennen. Langfristig kann die Insulinresistenz zu Typ-2-Diabetes führen und auch erhebliche Auswirkungen auf das Gehirn haben.
Besondere Rolle von Insulin im Gehirn
Insulin hat im Gehirn mehrere wichtige Funktionen. Es reguliert den Glukosemetabolismus, fördert das Überleben und das Wachstum von Neuronen und spielt eine Rolle bei der Synapsenplastizität, die für Lernen und Gedächtnis entscheidend ist. Insulinrezeptoren sind weit im Gehirn verteilt, besonders in Bereichen, die für Gedächtnis und Emotionen wichtig sind, wie dem Hippocampus und dem präfrontalen Kortex.
Zu viel und doch zu wenig – die Auswirkungen von Insulinresistenz auf das Gehirn
Im Fall einer Insulinresistenz finden wir eine, im ersten Moment, seltsam wirkende Situation vor. Während wir in der Peripherie hohe Insulinspiegel sehen, da die Zellen weniger auf Insulin reagieren und mehr davon produziert wird, findet sich im Gehirn wenig Insulin. Wie kann das sein? Dies erklärt sich dadurch, dass die Blut-Hirn-Schranke ebenfalls insulinresistent wird, was bedeutet, dass weniger Insulin ins Gehirn gelangt. Dies führt zu dieser paradoxen Situation, in der das Gehirn trotz hoher peripherer Insulinspiegel wenig oder gar kein Insulin erhält. Das Gehirn schwimmt im schlimmsten Fall in einer Zuckerlösung, kann aber nichts davon nutzen. Es verhungert vor den vollen Schüsseln.
Entzündung, Neurotransmitter und Hormonungleichgewichte
Durch Krafttraining bleiben Sie fit im Oberstübchen
Was ist BDNF?
Das macht BDNF für Ihr Gehirn:
- Unterstützt die Neurogenese (die Bildung neuer Neuronen) und fördert die Gesundheit der bestehenden Neuronen.
- Ein höherer BDNF-Spiegel verbessert die Neuroplastizität, was bedeutet, dass das Gehirn besser in der Lage ist, neue Verbindungen zu bilden und sich an neue Herausforderungen anzupassen. Dies ist besonders wichtig für das Lernen und das Gedächtnis.
- Erhöhte BDNF-Spiegel wurden mit einem verringerten Risiko für neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson in Verbindung gebracht. BDNF schützt Neuronen vor Schäden und unterstützt ihre Regeneration.
- Menschen, die regelmäßig Krafttraining betreiben, zeigen oft verbesserte kognitive Funktionen, einschließlich besserer Aufmerksamkeit, schnellerer Informationsverarbeitung und besserem Arbeitsgedächtnis. Diese Effekte werden teilweise durch den Anstieg von BDNF vermittelt.
- BDNF spielt auch eine Rolle bei der Regulation der Stimmung und kann dazu beitragen, Symptome von Depression und Angst zu reduzieren. Krafttraining kann den BDNF-Spiegel erhöhen, was zu einer besseren Stimmung und einem geringeren Stresslevel führen kann.
Zusammenfassende Gedanken
Quellen
- Marinus, Nastasia, et al. "The impact of different types of exercise training on peripheral blood brain-derived neurotrophic factor concentrations in older adults: a meta-analysis." Sports medicine 49 (2019): 1529-1546.
- Miola, Alessandro, et al. "Insulin resistance in bipolar disorder: a systematic review of illness course and clinical correlates." Journal of Affective Disorders 334 (2023): 1-11.