IMMUNSYSTEM STÄRKEN - Mit Sekundären Pflanzenstoffen

01.01.25 12:00 AM Von Dr. rer. nat. Anja Bettina Irmler

Eine ausgewogene Ernährung, die das Immunsystem optimal mit Mikronährstoffen versorgt, schließt einen regelmäßigen Verzehr von Obst und Gemüse ein – diese Empfehlung ist weithin bekannt: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) rät zu fünf faustgroßen Portionen täglich. Das entspricht ca. 650 Gramm Obst und Gemüse. Doch viele Menschen schaffen dies nicht. Besonders für Personen mit einem schwachen Immunsystem oder einer erhöhten Anfälligkeit für Infekte können Nahrungsergänzungsmittel eine wertvolle Unterstützung bieten. Diese sollten eine präzise Angabe der enthaltenen Sekundären Pflanzenstoffe auf der Verpackung aufweisen und idealerweise bioaktive Naturstoffe in ihrer natürlichen Matrix enthalten.

Naturstoffe in ihrer natürlichen Matrix enthalten.

Doch was sind eigentlich Sekundäre Pflanzenstoffe? Diese in vielen pflanzlichen Lebensmitteln vorkommenden Substanzen werden nicht wie die klassischen Hauptnährstoffe Kohlenhydrate, Eiweiße oder Fette im Primärstoffwechsel, sondern im Sekundärstoffwechsel hergestellt - daher der Name. Diese bioaktiven Verbindungen spielen sowohl für Pflanzen als auch für die menschliche Gesundheit eine entscheidende Rolle. Insbesondere für das Immunsystem entfalten sie eine Vielzahl positiver Wirkungen. Zu diesen Sekundären Pflanzenstoffen gehören beispielsweise Farbstoffe, die die Pflanzen vor der Sonne schützen oder Bitterstoffe, die Freßfeinde abwehren.

Antioxidative Eigenschaften

Sekundäre Pfl anzenstoff e wie Flavonoide und Carotinoide agieren als starke Antioxidantien. Sie neutralisieren freie Radikale im Körper, die andernfalls Zellschäden verursachen und das Immunsystem schwächen könnten. Durch die Reduzierung von oxidativem Stress tragen diese Stoff e dazu bei, das Immunsystem zu entlasten und seine Funktionsfähigkeit zu steigern.

Entzündungshemmende Wirkung

Einige dieser Stoff e, darunter Curcumin aus Kurkuma oder Quercetin, das in Zwiebeln vorkommt, sind für ihre entzündungshemmenden Eigenschaft en bekannt. Chronische Entzündungen belasten das Immunsystem und können langfristig zu Erkrankungen führen. Eine Reduzierung der Entzündungsreaktionen durch Sekundäre Pfl anzenstoff e bietet hier spürbare Vorteile.

Unterstützung der Immunzellen und Immunantwort

Sekundäre Pfl anzenstoff e fördern die Bildung und Funktion wichtiger Immunzellen wie T-Zellen, B-Zellen und natürlicher Killerzellen, die essenziell für die Abwehr von Infektionen sind. Zudem können sie die Immunantwort auf Krankheitserreger wie Viren und Bakterien verstärken, sodass das Immunsystem schneller und eff ektiver reagieren kann. Grund sind deren antioxidative und antientzündliche Eff ekte, die sowohl den Eintritt von Erregern in die Zellen als auch deren Vermehrung hemmen können. So konnte zum Beispiel gezeigt werden, dass Anthocyane, die roten Farbstoff e aus Beeren, gegen gramnegative bakterielle Erreger wie Salmonellen, Echerichia coli oder Heliobacter pylori wirken. Diese Erreger lösen teils schwerwiegende Magen-Darm-Erkrankungen aus. Grampositive Keime wie Staphylokokken oder Listerien werden dagegen durch Proanthocyanidine (z.B. OPC aus Äpfeln) und u.a. in grünem Tee vorkommende Catechine gehemmt

Prävention chronischer Erkrankungen

Eine regelmäßige Zufuhr dieser Verbindungen reduziert nachweislich das Risiko für chronische Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs oder Autoimmunerkrankungen. Die unterstützende Rolle eines gesunden Immunsystems ist hierbei von zentraler Bedeutung.

Bedeutende sekundäre Pfl anzenstoff e und ihre Quellen

Verschiedene Sekundäre Pfl anzenstoff e haben eine besondere Wirkung auf das Immunsystem und können dessen Funktion gezielt unterstützen. Flavonoide sind eine große Gruppe von Sekundären Pfl anzenstoff en, die in vielen Obstund Gemüsesorten vorkommen. Sie zeichnen sich durch ihre antioxidativen Eigenschaft en aus, die helfen, freie Radikale zu bekämpfen und Entzündungen zu reduzieren. Beispiele für fl avonoidreiche Lebensmittel sind Zitrusfrüchte, Beeren, Äpfel, Zwiebeln und Tee. Besonders Anthozyane, die roten Farbstoff e aus Beeren, haben eine antibakterielle Wirkung gegen gramnegative Erreger wie Salmonellen, Escherichia coli oder Helicobacter pylori.

Carotinoide, wie Beta-Carotin, Lutein und Zeaxanthin, sind fettlösliche Pigmente, die in orangefarbenem, gelbem und grünem Gemüse wie Karotten, Süßkartoff eln, Spinat und Grünkohl vorkommen. Diese Stoff e fördern die Produktion von Immunzellen und wirken antioxidativ. Eine weitere bemerkenswerte Verbindung ist Curcumin, der Hauptwirkstoff in Kurkuma, der starke entzündungshemmende und antioxidative Eigenschaft en besitzt. Traditionell wird Curcumin in der indischen Medizin verwendet, um das Immunsystem zu stärken. Entscheidend für seine Wirksamkeit ist jedoch die erhöhte Bioverfügbarkeit, die durch natürliche, nebenwirkungsfreie Methoden wie den Einsatz von Cyclodextrin verbessert werden kann. Auch Quercetin, ein Flavonoid, das in Zwiebeln, Äpfeln, Beeren und Grünkohl vorkommt, trägt zur Immunstärkung bei. Es hat entzündungshemmende Eigenschaft en und verbessert die Immunantwort auf Infektionen. Resveratrol, ein Polyphenol, das in Trauben, Rotwein und einigen Beeren vorkommt, wirkt ebenfalls antioxidativ und unterstützt die Immunfunktion. Phenolsäuren aus Echinacea, die aus dem Kraut und den Wurzeln der Echinacea-Pfl anze gewonnen werden, sind bekannt für ihre unterstützende Wirkung auf das Immunsystem und werden häufi g zur Vorbeugung von Erkältungen eingesetzt.

Ein weiterer wichtiger Vertreter dieser Stoff - gruppe sind Proanthocyanidine. Diese Polyphenole, die in Lebensmitteln wie Cranberries, Blaubeeren und Traubenkernen enthalten sind, können die Immunantwort verbessern und Entzündungen reduzieren. Sie wirken auch gegen grampositive Keime wie Staphylokokken und Listerien. Zudem fi nden sich Proanthocyanidine in grünem Tee, dessen Catechine eine hemmende Wirkung auf diese Keime haben. Quercetin, das neben seiner antioxidativen Aktivität auch antiviral wirkt, hemmt die Vermehrung von Atemwegsviren wie dem Infl uenzavirus, Parainfl uenzavirus, respiratorischem Syncytialvirus, Adenovirus sowie Rhinovirus.

Ein besonders bemerkenswerter Stoff ist Sulforaphan aus der Gruppe der Glucosinolate. Es handelt sich dabei um ein Abbauprodukt des Glucoraphanins, das in Kohlsorten wie Brokkoli, Kohlrabi und Rosenkohl vorkommt. Sulforaphan steigert nicht nur die Aktivität der natürlichen Killerzellen des angeborenen Immunsystems, sondern fördert auch das spezifi sche Immunsystem durch die Bildung von Antikörpern.

Durch eine Ernährung, die reich an diesen Verbindungen ist, kann das Immunsystem optimal unterstützt werden, was sowohl die Abwehrkraft stärkt als auch das Risiko chronischer Erkrankungen senkt.

Bedeutung einer vielseitigen Ernährung

Die Wirksamkeit sekundärer Pfl anzenstoff e auf das Immunsystem hängt von deren Art und Menge in der Ernährung ab. Eine abwechslungsreiche Ernährung mit reichlich Obst, Gemüse, Nüssen und Samen wird empfohlen, um die positiven Eff ekte dieser Verbindungen voll auszuschöpfen. Wer die erforderliche Menge an Obst und Gemüse nicht über die Ernährung aufnehmen kann, weil er die empfohlenen fünf Mindestportionen einfach nicht schafft , der kann auch auf qualitativ hochwertige Nahrungsergänzungen zurückgreifen. Bei diesen sollte aber die Menge der Sekundären Pfl anzenstoff e – ca. 400 mg Polyphenole - konkret auf der Verpackung ausgewiesen sein und ungefähr einer Menge entsprechen, wie in mindestens 650 Gramm Obst und Gemüse enthalten sind. 

Dr. rer. nat. Anja Bettina Irmler

Dr. rer. nat. Anja Bettina Irmler

Anja Bettina Irmler (geb. Fröhling) studierte an der Justus-Liebig-Universität Gießen Ernährungswissenschaften. Nach ihrem Master-Abschluss war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Forschungsanstalt im Institut für Weinanalytik und Getränketechnologie an der Hochschule Geisenheim tätig.