Sekundäre Pflanzenstoffe - Unterschätzte Helfer für den Darm

01.03.24 12:00 AM Von Dr. Mathias Oldhaver

Dass ein intaktes Mikrobiom eine wichtige Voraussetzung dafür ist, dass unser Körper die guten Mikronährstoff e aufnimmt und die schlechten Erreger aussperrt, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Auch dass die Ernährung hier eine sehr wichtige Rolle spielt. Die nützlichen Bakterien lieben besonders Obst und Gemüse. Aber nicht nur wegen der darin enthaltenen Ballaststoff e, sondern auch wegen der Sekundären Pflanzenstoffe. Denn auch sie haben wie viele Ballaststoffe eine prebiotische Wirkung, dienen also den Darmbakterien als Futter. Darüber hinaus wirken Sekundäre Pflanzenstoffe im Darm antioxidativ und antientzündlich.

Metastudie identifiziert beste Pflanzenstoffe

Durch die Veränderung der Ernährungsgewohnheiten in den letzten Jahrzehnten hin zu mehr Fastfood und Süßigkeiten anstatt Obst und Gemüse, ist die Ballaststoffaufnahme stark zurück gegangen. Im Durchschnitt sind es rund 20 Gramm pro Tag. Empfehlenswert wären laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) jedoch mindestens 30 Gramm. Die DGE empfiehlt zudem Erwachsenen mindestens 400 g Obst und Gemüse pro Tag zu verzehren, und zwar nicht nur für eine ideale Vitamin- bzw. Mineralstoff zufuhr, sondern auch wegen der enthaltenen Sekundären Pflanzenstoffe. Diese Substanzen schützen die Pflanzen vor widrigen Umwelteinflüssen und haben auch auf den menschlichen Organismus eine gesundheitsfördernde Wirkung. Neueste Studien belegen, dass Stoff e wie die Anthozyane aus roten Früchten, das Lycopin aus der Tomate, das OPC aus Äpfeln oder das Glucoraphanin aus Brokkoli einen wertvollen Beitrag zu unserer Gesundheit leisten. In ihrer Gesamtheit können sie antioxidativ, antimikrobiell, antithrombotisch und immunmodulierend wirken.

Bioaktive Pflanzenstoffe fördern das Gleichgewicht im Darm

Und auch das darmbasierte Immunsystem profitiert von der immunmodulierenden Funktion der Sekundären Pflanzenstoffe. Denn sie können, bei einer ausreichenden Zufuhr, das Darmgleichgewicht beeinflussen und eine präventive oder sogar therapeutische Wirkung ausüben. Darüber hinaus können Sekundäre Pflanzenstoffe Einfluss auf die Mikrobiota in Bezug auf Allergien, chronische oder kardiovaskuläre Erkrankungen, Zellveränderungen, den Energiestoffwechsel und den Appetit nehmen. So belegt beispielsweise eine Studie, dass bei einer regelmäßigen Aufnahme von Kakaoflavanolen die Barrierefunktion des Darms verbessert werden kann. 


Im Schnitt schaff en es rund 90 bis 95 Prozent der Sekundären Pflanzenstoff e, unbeschadet im Dickdarm anzukommen. Was viele nicht wissen: Diese Pflanzenstoffe werden wie Ballaststoffe von den Darmbakterien als Futter genutzt und haben damit auch einen prebiotischen Effekt. Die aufgespalteten bioaktiven Substanzen gelangen dann über die Darmschleimhaut in die verschiedenen Gewebe, in denen sie ihre volle Wirkung entfalten können. Der Abbau dieser natürlichen Stoff e ist dabei besonders wertvoll für die Darmflora. Die dabei entstehenden kurzkettigen Fettsäuren versorgen die Darmschleimhaut mit Energie. Das ist deshalb besonders wichtig, weil die Darmzellen, die Enterozyten, zu den sich am häufigsten erneuernden Zellen gehören und daher besonders viel Energie benötigen. Zudem senken die kurzkettigen Fettsäuren den pH-Wert im Darm und machen es damit pathogenen Keimen schwerer, sich langfristig im Darm anzusiedeln. 

Besonders wirksam: Zitrusflavonoide

Eine Gruppe von Sekundären Pflanzenstoff en ist in Bezug auf die Darmgesundheit offenbar ganz besonders zu empfehlen: Flavonoide aus Zitrusfrüchten wie Orangen und Zitronen. Dazu zählen das Hesperidin und Naringin. Es gibt mittlerweile Präparate für die Darmflora, die durch solche Flavonoidkomplexe ergänzt werden. Der Grund: Neueste Studien zeigen, dass sie im Darm eine antioxidative und antientzündliche Wirkung entfalten und auch die Darmbarriere stärken. So konnte unter anderem gezeigt werden, dass durch eine 12-wöchige Einnahme dieser Zitrusflavonoidkomplexe ein deutlich niedriger Wert des sogenannten „fäkalen Calprotectins“ gemessen werden konnte. Das Calprotectin ist ein Marker für eine Entzündung der Darmschleimhaut und eine hohe Pathogenbelastung im Darm. Auch die Produktion von kurzkettigen Fettsäuren wie Butyrat und Propionat konnte durch die Einnahme von Zitrusflavonoidkomplexen erhöht werden, wodurch wiederum die Darmbarriere gestärkt und Entzündungsprozessen entgegengewirkt wird.

Schon ein Burger kann folgen haben

Wie wichtig es ist, Entzündungsprozesse im Darm einzudämmen, zeigt eine Untersuchung eines Wissenschaftlerteam aus Hamburg, die vor Kurzem im Fachmagazin Nature Immunology beschrieben wurde. So kann nämlich bereits eine kurzfristige Umstellung der Ernährung von normalem Essen auf Fast Food das Immunsystem beeinträchtigen und zu einer höheren Anfälligkeit für bakterielle Infektionen führen. Dafür reiche den Forschern zufolge bereits ein einziger Besuch im Fast Food Restaurant. Eine andere Studie von Forschern der Universität Pittsburgh, USA, hat gezeigt: 14 Tage fettreiche und ballaststoffarme Ernährung, die hauptsächlich aus Hamburgern, Wurst, Pommes frites und Süßigkeiten besteht, führt dazu, dass Entzündungswerte im Darm ansteigen. 

Bei der Wahl des Probiotikums auf Qualität achten

Neben den Sekundären Pflanzenstoffen sind auch Probiotika eine gute Möglichkeit, die Darmflora zu unterstützen. Ein wichtiges Qualitätskriterium für Probiotika ist das ‚Multi-Species-Konzept‘. Man könnte es auch kurz mit dem Slogan ‚Viele Bakterienstämme für viele Anforderungen‘ beschreiben. Mittlerweile gibt es Darmflora-Präparate mit über 20 Stämmen. Wichtig ist auch eine hohe Dosierung, das heißt zwischen 24 und 160 Milliarden Milchsäurebakterien pro Tag. Gute Probiotika-Präparate zeichnen sich zudem dadurch aus, dass die ausgewählten Stämme eine überdurchschnittlich hohe Stabilität gegen unterschiedliche antibiotische Substanzen aufweisen und gut an der Darmschleimhaut anhaften. Optimal ist es, wenn die Bakterien durch eine säureresistente pflanzliche Cellulosekapsel gegen Magenund Gallensäure geschützt werden. Auch die Ergänzung mit B-Vitaminen ist sinnvoll, da diese das Wachstum der guten Bakterien im Darm fördern. 

Fazit: Für die Pflege einer gesunden Darmflora ist eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse und Obst, Ballaststoffen und fermentierten Lebensmitteln wichtig. Unterstützen lässt sich dies mit hochwertigen Vitalstoffkonzentraten, die einen standardisierten Anteil an Sekundären Pflanzenstoffen beinhalten und hochdosierten Darmflora-Präparaten, die idealerweise mit Sekundären Pflanzenstoffen kombiniert sind.

Erschienen in:

Reformleben Magazin

Ausgabe Nr. 55 (März/April 2024)

MCT-Öl

der extra Kick für Energie und Konzentration

Bestellen
Dr. Mathias Oldhaver

Dr. Mathias Oldhaver

Dr. Mathias Oldhaver ist Heilpraktiker und Medizinjournalist. Er beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit präventiver Medizin und Naturheilkunde.