Welche NAHRUNGSERGÄNZUNG brauche ich wirklich?

01.09.23 12:00 AM Von Dr. Mathias Oldhaver

Nahrungsergänzungsmittel werden in vielen Medien oft kritisch gesehen. Und dennoch sind sie sehr beliebt, immer mehr Menschen nutzen bestimmte Präparate, um ihre Ernährung zu ergänzen. Das meistgehörte Gegenargument lautet: „Wer sich gesund und abwechslungsreich ernährt, braucht keine Nahrungsergänzungsmittel“. Diesen Satz kann man zweifellos unterschreiben. Der Punkt ist jedoch: Wer ernährt sich heute gesund und abwechslungsreich? Der Trend geht weiter zu stark verarbeiteten Lebensmitteln und Fast Food. Diese Ernährung enthält nicht nur viele Farb- und Aromastoffe, sie ist in der Regel auch sehr zucker-, fett- und salzhaltig. Die wirklich wichtigen Bausteine einer gesunden Ernährung wie Mikronährstoffe, probiotische Mikroorganismen oder hochwertige Ballaststoffe findet man in diesen stark verarbeiteten Lebensmitteln dagegen meist nur in geringem Maße.

Es werden zu wenig Ballaststoffe verzehrt

Nur ein geringer Teil der Bevölkerung schafft zum Beispiel den von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) e.V. empfohlenen Verzehr von 30 Gramm Ballaststoffen pro Tag in Form von Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten oder Obst und Gemüse. Dabei sind Ballaststoffe sehr wichtig. Ihre prebiotischen Eigenschaften sind zum Beispiel gut für unsere Darmflora. So stimulieren Ballaststoffe das Wachstum von Bifidobakterien und Lactobacillen, die dann vermehrt kurzkettigen Fettsäuren produzieren, die für die Energiegewinnung der Darmschleimhaut erforderlich sind. Zudem steigern Ballaststoffe das Stuhlvolumen und verbessern so die Verdauung, schützen vor krankmachenden Keimen und steigern die Aufnahme von Calzium. 


Der Verzehr von ausreichend Ballaststoffen hat eine große präventive Wirkung hinsichtlich vieler körperlicher Probleme und Erkrankungen wie einem zu hohen Cholesterin- und Blutzuckerspiegel, Diabetes mellitus Typ 2, Adipositas, gastrointestinalen Erkrankungen wie z.B. Hämorrhoiden, Obstipation, Divertikel sowie Herz-Kreislauferkrankungen und sogar Krebs. Wer also hier mit seiner normalen Ernährung nicht auf die täglichen 30 Gramm Ballaststoffe kommt, der kann ruhig etwas nachhelfen – am besten mit einem Pulver, das mehrere prebiotische Ballaststoffe wie Inulin, Akazienfaser, GOS und XOS (Xylo- und Gluco- Oligosaccharide) miteinander kombiniert.

Ausgeprägter Vitaminmangel eher selten

Mit dem Obst- und Gemüsekonsum nimmt man nicht nur Ballaststoffe auf, sondern auch zahlreiche Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente und vor allem sekundäre Pflanzenstoffe. Deshalb empfiehlt die DGE den Verzehr von fünf faustgroßen Portionen Gemüse und Obst pro Tag. Neue Untersuchungen gehen davon aus, dass sogar noch mehr notwendig ist, um eine effektive Prävention vor Herz-Kreislauferkrankungen oder Krebs und damit eine Lebensverlängerung mit hoher Lebensqualität zu erreichen. 

Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt sogar neun Einheiten Gemüse und Obst täglich. Ein Vitamin- und Spurenelementemangel ist in Deutschland nicht wirklich flächendeckend ein Problem. Achten sollte man jedoch auf eine ausreichende Zufuhr von Vitamin D (vor allem im Winter und bei Kindern und älteren Personen), Folsäure (bei Schwangeren) sowie Vitamin B12 und Jod (Veganer). Alkohol, Nikotin und Medikamente können Nährstoffräuber sein. So stören zum Beispiel ACE-Hemmer, Betablocker und Kalziumantagonisten die Versorgung mit B-Vitaminen. Medikamente gegen Zuckerkrankheit können die Versorgung des Körpers mit Vitamin B12 beeinträchtigen, da sie dessen Aufnahme im Magen-Darm-Trakt stören. Die zur Cholesterinsenkung verschriebenen Statine stören die körpereigene Synthese von Coenzym Q10. Wegen der selenarmen Böden kann es auch zu einem Selenmangel kommen. 

Ernährungslücke bei sekundären Pflanzenstoffen 

Ein Mikronährstoffmangel der jedoch durchaus häufiger auftreten kann, ist der bei den sekundären Pflanzenstoffen. Das sind Substanzen, mit denen die Pflanze sich gegen widrige Umstände wappnet. Zum Beispiel der rote Farbstoff Lycopin, der die Tomate gegen UV-Strahlen schützt, oder Bitterstoffe wie Glucoraphanin im Brokkoli, die Fressfeinde abschrecken. In zahlreichen Studien hat man herausgefunden, dass diese sekundären Pflanzenstoffe eine positive Wirkung auf die menschliche Gesundheit haben. So haben viele Sekundäre Pflanzenstoffe eine antioxidative Wirkung, schützen also unsere Körperzellen vor Schäden durch freie Sauerstoffradikale. Andere Pflanzenstoffe wirken antientzündlich oder können eine Krebsentstehung hemmen. Wieder andere schützen unsere Blutgefäße und können mithelfen, den normalen Cholesterinspiegel aufrecht zu erhalten. 

Diese Substanzgruppe der sekundären Pflanzenstoffe ist nur in pflanzlichen Nahrungsmitteln wie Obst, Gemüse und Kräutern enthalten. Und genau davon essen wir zu wenig. So hat eine vom Deutschen Institut für Sporternährung e.V. und dem Gesundheitspräparatehersteller Dr. Wolz in Auftrag gegebene und von TNS Infratest durchgeführte repräsentative Befragung gezeigt: Das Ziel, fünf Portionen Obst und Gemüse zu essen, ist unrealistisch. In Deutschland wird einfach zu wenig Obst und Gemüse gegessen! Die Gründe sind vielfältig: Viele haben keine Zeit oder Lust, sich Obst oder Gemüse verzehrfertig zuzubereiten, anderen schmecken Fastfood oder Süßigkeiten einfach besser, wieder andere können aufgrund gesundheitlicher Probleme (Schluck- oder Verdauungsbeschwerden, Fructoseunverträglichkeit, alters- oder krankheitsbedingte Appetitlosigkeit) kein Obst und Gemüse essen. 

Bei Nahrungsergänzung auf sinnvolle Zusammensetzung achten

Ein zu geringer Obst- und Gemüsekonsum lässt sich nicht mit Vitaminpräparaten ausgleichen, weil diese in der Regel keine sekundären Pflanzenstoffe enthalten. Wer es aus welchen Gründen auch immer nicht schafft, mindestens fünf Portionen Obst und Gemüse zu essen, sollte seine Ernährung also mit einem Produkt ergänzen, das sekundäre Pflanzenstoffe in einer angemessenen Menge (d. h. zum Beispiel ca. 400 mg Polyphenole) konkret auf der Verpackung ausweist.

Erschienen in:

Reformleben Magazin

Ausgabe Nr. 52 (Sept./Okt. 2023)

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Dr. Mathias Oldhaver

Dr. Mathias Oldhaver

Dr. Mathias Oldhaver ist Heilpraktiker und Medizinjournalist. Er beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit präventiver Medizin und Naturheilkunde.